Reviews & Reactions

 

 

Von Sascha Kraska – Über “Zehn Thesen gegen die Anarchie”
“Dies ist ein ziemlich ordentliches Album und Ordnung muss sein. Es wurde live aufgenommen während einer Performance zur Bielefelder Nacht der Klänge 2004 im Senatssaal der Universität. Man lernt sehr viel über die Regeln, Gesetze und Paragraphen, die an der Uni, im AStA, im Umgang mit Gefahrenstoffen und selbstverständlich auch beim Sonderabfall von größter Relevanz sind. Kunst stellt Fragen, und auch solche eine taucht auf: Woher kommen an der Universität Körperteile und Organabfälle? Claas Meyer rezitiert diese Texte ernst und verständlich, während Kurt Zawiedek an der elektrischen Gitarre und Siggi aus Nürtingen an der elektrifizierten Tenor-Triangel ihn begleiten. Zu hören sind melodische Improvisationen und gepflegtes Triangeln. Doch während die ordentlichen Texte dem Hörer einen festen Halt im Leben an der Universität geben, driftet die improvisierte Begleitung in ihren Schwankungen von Zaghaftigkeit zu erschreckenden Krachwellen ins kafkaeske ab, so dass vom Zuhörer höchste Konzentration gefordert wird, um zu verstehen warum alle kst innheralb von k2 gegenseitig kostendeckend sind und was 2.2.2. Verantwortung wirklich ausmacht. Die Gitarre knarzt und raspelt, die Triangel scheppert und kratzt, das ist nicht sehr ordentlich. Ich möchte mich beschweren, denn das ist eine Zumutung. Die jungen Musiker sind auf dem richtigen Weg, auch wenn sie sich zeitweise unhöflich gebärden: Das Ästhetische Zentrum der Universität, dass doch die Nacht der Klänge ausrichtet und dem Trio so erst die Auftrittsmöglichkeit verschaffte, wird als der studentisch-emanzipativen Selbstorganisation antagonistisch gegenüberstehend dargestellt. Darüber hinaus werden gewisse Textpassagen (die ob ihrer grandiosen Regelungs-Leitlinien für das auf sich allein gestellt zu Chaos und Verfall verdammte menschliche Zusammenleben mit Applaus bedacht werden sollten) mit einem schiefen Aufheulen der Gitarre oder einem verzerrten Misstönen der Tenor-Triangel quittiert. Sicherlich werden aber mit etwas musikalischer Erziehung auch in diesem Trio harmonischere Klänge zu Tage treten. Denn der Wille zur Ordnung ist offensichtlich: Das Publikum benimmt sich zwischendurch nicht ordnungsgemäß und wird sofort zurechtgewiesen. Mit etwas Disziplin werden sich Broken Window Theory sicherlich von der experimentellen Klangkunst ab- und der Marschmusik zuwenden.”
Quelle: http://www.webwecker-bielefeld.de/entry_37895.0.html

 

mars.jpgBroken Windows + Klara Kontrol
Bielefeld, AJZ, 9. März 2007

“Am vergangenen Freitag eröffneten die Windows den Disco-Abend im AJZ. Gleichzeitig sollte dies auch mein Einstand als DJ sein. Broken Windows sind mir zwar bereits empfohlen worden, aber dass vier der fünf Musiker mir bereits persönlich bekannt waren, das wusste ich bisher nicht. Umso netter diese Leute auf der Bühne zu entdecken. Siggi spielte eine selbstgebaute mannshohe E-Triangel, Kurt bediente die Gitarre und als Gast Manuela den Kontrabass. Class gab den Wortführer und Violinisten. Die Musik war uneingängige Lärm-Kunst und Class erzählte dazu – nachdem eine Protokollantin erkoren war – erschütternde Zeugenaussagen von Polizisten, die zu einer Lärmbelästigung anrücken mussten und verlas ordnungsamtliche Verordnungen durch ein Megaphon. Vor dem letzten Stück warf er dem Publikum im bestuhlten Raum gelbe Ohrenstöpsel zu. Ein absolutes Kontrastprogramm lieferte dann die dreiköpfige Combo Klara Kontrol mit derbem Instrumentalrock voll groovender Schwere, lockerem Funk und flottem Gebratze. Einen Sänger brauchte es offenbar nicht, aber eine Ersatzgitarre musste bald her. So wurde auf dem Instrument von Broken Windows- Kurt weiter musiziert. Mir fiel auf, dass auf der Gitarre langsamer gespielt wurde. Meine Theorie, die Gitarre an sich seie langsamer,wollte Kurt nicht schmecken. Seine Theorie, es läge am Songmaterial, erschien mir zu simpel. Letztendlich haben wir uns drauf geeinigt, dass seine Gitarre einfach vorsichtiger gespielt wurde, weil sie ja nur geliehen war. Nach den beiden Bands war das Publikum dann erstmal etwas tanzfaul, aber ich war froh nach über einem Jahr Pause endlich wieder hinter den Plattentellern zu stehen. Mars”
Quelle:
Konzertbericht, S. 17, in: Überfall-Fanzine Nr. 9
http://www.ueberfall-home.de/ueberfall_nr_9.pdf

 

 

Broken Windows – „Sieben Betrachtungen zur
permanenten Gefährdung“:

„Hört mal, Euch hört kein Mensch zu und das stört dermaßen, wenn man mit den Leuten redet. Die rennen nur vorbei, weil sie den Krach nicht mögen.” Die Dame, die auf dieser Live-Aufnahme mit ebendiesen Worten zu hören ist, liefert so eine mögliche Rezension gleich mit. Während einer Mahnwache anlässlich des 20sten Geburtstages der Tschernobyl-Katastrophe traten die Broken Windows auf dem Jahnplatz in Bielefeld auf. Class Meyer las Texte zum Thema während Siggi und Kurt auf Gitarre und Riesen-E-Triangel lärmten. So zersägten die Broken Windows auch hier bürokratisch verklausuliertes Beamten-Deutsch mit Lärmattacken zwischen Jazz und Avantgarde. Ein musikalischer Arschtritt in Richtung Recht und Ordnung. Hier wird klar gemacht, dass das Chaos auf der guten Seite steht. Die Frau umschreibt das Wesentliche anders: „Wenn ein Mensch was redet und der andere macht’s mit der Musik kaputt, dass man da nicht hinhören kann.“ Dumm gelaufen an dem Tag ist bloß, dass sie die flüchtenden Passanten eigentlich zum Thema in die Diskussion ziehen wollte. Da stand die unbequeme Kunst im öffentlichen Raum – wo sie ja auch hingehört – trotzdem der evtl. fruchtbaren Diskussion im Wege. Die Aufnahme könnt ihr euch nun in den privaten Raum holen. (www.brokenwindows.de)
Quelle: Hörtest von Mars, S.35-36, in: Überfall-Fanzine Nr. 9
http://www.ueberfall-home.de/ueberfall_nr_9.pdf

 

Rainer Schmidt, Neue Westfälische vom 27.5.2008, über die Performance “…die maschine am laufen halten…”

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